Dieses Manual richtet sich an Creator, die AVALAR erweitern oder technisch pflegen. Das wichtigste Ziel ist nicht, möglichst viel hinzuzufügen, sondern bestehende Wahrheit, laufenden Spielzustand und Spielerautonomie zuverlässig zu erhalten.
Quellenhierarchie
Bei Widersprüchen gilt diese Reihenfolge:
- aktuelle spezifische Master-Kanonquelle
- andere ausdrücklich als FESTER KANON markierte Projektquellen
- globale Regeln und GM-Instructions
- bestätigter aktueller Spiel- und Kampagnenzustand
- Meta-Arbeitsquellen wie Atlas oder Roadmap
- PLANRAHMEN
- externe Recherche
Eine spätere spezifische Masterquelle kann eine ältere Aussage „offen“, „ungeklärt“ oder „später festzulegen“ ersetzen. Umgekehrt darf eine allgemeine oder externe Quelle niemals eine spezifische AVALAR-Festlegung überschreiben.
@Missing file fasst die operative Priorität für den GM zusammen. Für technische State-Writes ist @Missing file maßgeblich.
Bewusst offene Punkte
Offen bedeutet nicht frei erfindbar. Wenn eine bestehende Quelle einen Ursprung, Täter, Mechanismus, Herrscher, Reiseweg oder anderen Punkt ausdrücklich unbekannt, umstritten oder vorbehalten lässt, bleibt er offen, bis er im normalen Kanonprozess festgelegt wird. Plausibilität, Recherche und ein guter Einfall reichen nicht aus, um ihn still zu schließen.
Beim Erweitern unterscheide deshalb immer:
- bestehender Kanon: bereits festgelegte Weltwahrheit
- bestätigter State: was im laufenden Spiel tatsächlich eingetreten ist
- externe Information: technische oder realweltliche Referenz
- Entwurf: vorgeschlagene neue AVALAR-Inhalte
Erst eine bewusste Integration macht aus einem Entwurf Kanon.
Designprinzipien
AVALAR bleibt eine düstere, politisch und kulturell vielfältige Fantasywelt ohne automatischen Auserwählten, zentralen Endgegner oder alles erklärenden Masterplan. Kultur prägt Menschen und andere Völker stärker als pauschale Spezies-Persönlichkeiten. Magie ist real, aber nicht die Standarderklärung für jede Logistik- oder Gesellschaftsfrage. Moralische Konflikte dürfen komplex sein, ohne jede Institution automatisch korrupt oder jede Region instabil zu machen.
Lokale Geschichten sind vollwertig. Ein Handelsstreit, eine verschwundene Karawane oder ein Dorfproblem braucht keine geheime Weltverschwörung, um bedeutsam zu sein. Das Fantastische wirkt stärker, wenn daneben nachvollziehbare Landwirtschaft, Verwaltung, Handel, Religion, Militär und Alltag existieren.
Spielerautonomie ist eine Baugrenze
@Missing file ist keine Stilpräferenz, sondern eine harte Architekturgrenze. Neue Regeln, Flows, Quests oder Character-Felder dürfen dem GM keinen Mechanismus geben, freiwillige Handlungen, Aussagen, Absichten, Meinungen oder Gefühle des Main Characters ungefragt festzulegen.
Das gilt besonders für Character Creation, Beziehungen, Moral, Romantik, persönliche Vergangenheit und Questannahme. Systeme dürfen Vorschläge machen und äußere Konsequenzen berechnen; persönliche Entscheidungen bleiben beim Spieler.
Recherche
Nutze aktuelle offizielle Dokumentation und hochwertige Fachquellen, wenn technische Sicherheit oder realweltliche Plausibilität davon profitiert. Recherche ist jedoch niemals automatisch AVALAR-Kanon. Bei veränderlichen Craft-Funktionen gilt: nicht raten, wenn der aktuelle Export oder offizielle Dokumentation die Antwort liefern kann.
Feste Leitplanken
Einige bestehende Grenzen sind keine Einladung zur Neuinterpretation: Orks existieren in AVALAR nicht als eigene klassische Spezies. Religion darf vielfältig und innerlich widersprüchlich sein; derselbe Gott kann unterschiedliche Kirchen und Traditionen tragen. Monsterschwächen sind spezifisch statt pauschal. Harte Themen entstehen aus Welt und Geschichte, nicht als bloßer Schockeffekt; sexuelle Gewalt wird nicht erotisiert. Solche Leitplanken werden nur geändert, wenn eine höher priorisierte Kanonquelle sie ausdrücklich ersetzt.